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notes from a book hoarder

Buchclub-Lektüre: Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen

von filunara | Okt. 23, 2025 | Cozy Fantasy, Fantasy, Rezension

Bewertung ⭐⭐⭐

  • Handlung55%55%
  • Charaktere50%50%
  • Schreibstil30%30%
  • Goblin-Modus50%50%
  • Vibes60%60%
  • Gesamtwertung60%60%

Smut-Skala 🌶️

  • Häufigkeit30%30%
  • Explizität40%40%

Für mehr Informationen zur Bedeutung dieser Werte habe ich einen Beitrag über mein Bewertungsschema geschrieben.

Autorin: Sangu Mandanna
Verlag: Penhaligon
Buchreihe: –

Seitenzahl:
352
Genre:
Cozy Fantasy
Sprache: Deutsch

Schwieriges Verhältnis zu Eltern, Einsamkeit, früher Tod von Eltern, schwierige Kindheit, Szene mit sexuellem Inhalt

Nein! Kein Tier leidet oder kommt zu Schaden. .

Found Family, Cozy Romance, Dislike to Romance, Grumpy x Sunshine, Secret Magic Society, Reluctant Mentor/Young Students

Es herbstelt: Zeit für gemütliche, magische Geschichten, mit denen man sich bei schlechtem Wetter und kaltem Wind auf dem Sofa einkuschelt. Für mich gehört da eine Kanne Tee mit leckeren Snacks dazu, eine flauschige Decke (endlich ist es nicht mehr zu warm dafür!) und Zeit, um mich wirklich auf ein Buch einzulassen. Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen hat mein Bedürfnis nach cozy Unterhaltung absolut erfüllt.

Der Roman war einer der beiden Gewinner unserer Buchclubwahl zum Thema “Hexen, Hexen, Hexen” für September/Oktober. Und ich bin ehrlich: Wahrscheinlich hätte ich das Buch sonst nie gelesen. Mir wäre es schlichtweg nicht aufgefallen, denn die Cover der englischen und auch der deutschen Ausgabe sind … naja, kein Blickfang. Zumindest nicht für mich! Mir ist klar, dass ich deshalb wahrscheinlich ziemlich viele gute Bücher verpasse, weil sie mich optisch nicht angesprochen haben. Soviel zu “don’t judge a book by its cover”. Ich sehe und ich judge. Oder eher: Ich sehe und entscheide, ob ich interessiert bin oder nicht.

Dieses Buch hat mir mal wieder vor Augen geführt, dass auch hinter unscheinbaren (und lasst mich ehrlich sein: eher hässlichen) Covern wirklich gute Geschichten stecken können.

 

Magische Mary Poppins

Mika ist Anfang 30 und eine Hexe. Eine einsame Hexe. Denn in dieser Welt sind ausnahmslos alle Hexen Waisen und wachsen getrennt voneinander auf, lernen alleine, mit ihrer Magie umzugehen und verbringen auch ihr Leben als Erwachsene nicht in der Gesellschaft anderer Gleichbegabter. Die Magie droht sonst, unberechenbar zu werden. Je mehr Hexen sich an einem Ort versammeln, desto mehr Magie wird von ihnen angezogen und desto schwieriger wird es, sie in Zaum zu halten. Deshalb gibt es Regeln, die strikt befolgt werden: Primrose, die Hexe, die Mika aufgezogen hat, sorgt dafür. Alle drei Monate gibt es ein Treffen, immer an einem anderen Ort, um sich auszutauschen. Das war es, ansonsten gibt es keinen Kontakt. Das bewahrt alle Hexen davor, entdeckt zu werden. Auch wenn gerade die jüngeren Hexen keine Lust auf diese Regeln haben, Mika eingeschlossen, so halten sich doch alle daran. Niemand wagt es, Primrose zu widersprechen.

Dass Mika sich da einsam fühlt, ist verständlich. Um das Ganze noch schlimmer zu machen, zieht sie auch noch regelmäßig um und ghostet danach alle, die sie an ihrem vorigen Wohnort kennengelernt hat. Das ist einfacher und sicherer. Wer Mika nicht gut kennt, kann schließlich nicht aus Versehen mitbekommen, dass sie eine Hexe ist. Ihre einzige Begleitung sind ihr Hund Circe und ihre Kois, die in einem magischen Teich leben. Aber nicht nur die Regeln von Primrose sind dafür verantwortlich, dass Mika sich weigert, Wurzeln zu schlagen: Sie hat auch ihre eigenen Gründe.

Eines Tages bekommt sie eine Nachricht. Ein gewisser Ian bittet sie um Hilfe – “Hexe dringend gesucht”, schreibt er. Mika weiß nicht so recht, wie sie darauf reagieren soll. Kann es sein, dass er sie durchschaut hat? Oder hat ihn bloß Mikas Youtube-Kanal so begeistert? Mika ist nämlich voll auch den Witch-Hype aufgesprungen und postet regelmäßig magischen Content, so wie hunderte andere Möchtegern-Hexen auch. Nur, dass sie wirklich eine Hexe ist und riesigen Spaß daran hat, solche Videos online zu stellen. Eigentlich würde Mika die Email ignorieren, aber irgendetwas bringt sie dazu, doch bei Ian vorbeizufahren und sich zumindest einmal anzuhören, was er zu sagen hat.

Wie sich herausstellt, braucht Ian wirklich Unterstützung von einer echten Hexe, denn er kümmert sich zusammen mit seinem Ehemann Ken, der Haushälterin Lucie und Bibliothekar Jamie um drei Junghexen, deren Magie langsam außer Kontrolle gerät Bevor alles in Schutt und Glitzer liegt, brauchen sie dringend Unterricht. Lillian, die Hexe, die die drei adoptiert hat, ist Archäologin und fast das ganze Jahr über unterwegs. Mika ist geschockt: 1. Wie kann es sein, dass Lillian drei Hexen adoptiert und diese zusammen im selben Haus wohnen lässt? Wenn das Primrose wüsste. Und 2. Warum kümmert sich Lillian nicht selbst um die drei?

Vielleicht war Lillian einfach überfordert, denn die Mädchen können ziemlich anstrengend sein. Vor allem die Zweitälteste. Sie will Mika nicht im Haus haben und ist auch nicht zu schüchtern dafür, ihr das direkt und immer wieder ins Gesicht zu sagen.

Aber Mika bleibt, denn kurz nach Weihnachten steht Besuch im Nowhere-Hause an. Edgar, der Anwalt von Lillian, will einige Dokumente abholen und er darf auf gar keinen Fall irgendetwas mitbekommen. Keine Magie, kein schwebendes Kind, keine komisch gefärbte Blume. Bis dahin müssen die Mädchen lernen, ihre Magie zumindest ein bisschen zu kontrollieren, damit es zu keinen überraschenden Ausbrüchen mehr kommt.

Innerhalb weniger Wochen fühlt sich Mika so wohl an ihrem neuen Arbeitsplatz, dass sie fast versucht ist, zu bleiben. Und dann ist da noch Jamie, der grumpy Kerl, in dem ein softer Kern steckt. Er ist zwar anfangs misstrauisch und ablehnend, aber weicht Mika gegenüber zunehmend auf. Für ihn würde es sich doch lohnen, oder? Immerhin kennt er die Wahrheit über Mika und sie hat keinen Grund, ihn auf Abstand zu halten.

Doch natürlich ist nicht alles so idyllisch, wie es scheint.

 

Kinder, Chaos, Terracotta

Die drei jungen Hexen heißen Rosetta, Terracotta und Altamira und sind zwischen zehn und sieben Jahre alt. Mehr kann ich jetzt nach etwas einer Woche schon gar nicht mehr über die drei sagen. Beziehungsweise: Über Rosetta und Altamira. Die beiden Mädchen haben immer sehr motiviert am Zauberunterricht teilgenommen und waren ansonsten sehr unauffällig. Rosetta darf einmal einen Ausflug mit Mika machen, und liest gerne Comichefte. Das ist mir aber jetzt auch nur noch einmal eingefallen, weil ich angestrengt versucht habe, mich an mehr zu erinnern. Ihre Persönlichkeiten haben für mich jetzt nicht so sehr herausgestochen, als dass ich jetzt noch weitere Details über sie wüsste.

Leider hat Terracotta den anderen beiden komplett die Show gestohlen. Nicht etwa, weil sie so ein besonderes Mädchen ist, sondern weil sie nervt. Wie respektlos will man sein? Terracotta dachte sich: Ja. Es fängt schon damit an, dass sie Mika beim Kennenlernen mit ihrer Ermordung droht (wtf?) und dann auch im weiteren Verlauf immer Mordpläne ausheckt und Mika dann davon erzählt, damit sie auch sicher merkt, dass Terracotta sie nicht leiden kann. Meistens erscheint sie auch nicht mal zum Unterricht und verkriecht sich stattdessen bei Jamie oder in ihrem Zimmer. Und natürlich will sie allen beweisen, dass sie auch ohne Unterricht wunderbar klarkommt und natürlich geht das ordentlich in die Hose.

Ich verstehe einfach nicht, warum keiner der anderen Erwachsenen da früher eingegriffen hat. Warum lässt man so ein Verhalten überhaupt durchgehen? Mika wurde ja ins Haus geholt, um die Mädchen in Magie zu unterrichten, das ist das wichtigste Ziel an der ganzen Sache. Und dann darf sie einfach ohne Konsequenzen den Unterricht schwänzen? Dass Ian erzieherisch nicht durchgreift, kann ich nachvollziehen. Aber von Jamie habe ich mehr erwartet. Es wird zwar  schon klar, dass ihm bewusst ist, dass er dem Mädchen zu viel durchgehen lässt, aber die Erkenntnis hätte meiner Meinung nach viel früher kommen müssen. Zumal ja wirklich Zeitdruck herrschte wegen dem anstehenden Besuch von Anwalt Edward. Stattdessen darf Terracotta sich benehmen wie eine Mini-Antagonistin und keiner sagt was, bis es eskaliert.

Aber genug von Terracotta, es gab ja auch einige schöne Aspekte im Buch.

 

Improvisation und Gatekeeping

Das Magiesystem in der Welt von Miss Moon ist ganz süß. Die Magie wirkt wie ein eigenwilliges, lebendiges Wesen – verspielt, manchmal launisch, und sie liebt Aufmerksamkeit. Für Hexen ist sie als schimmernder Goldstaub sichtbar, der in der Luft liegt und sich um die Hexen herum ansammelt, wie von einem Magneten angezogen. Das führt aber auch dazu, dass viele Hexen auf einem Fleck zu einer starken Ansammlung von Magie führen, die dann nicht mehr versteckt werden kann. Es kommt vermehrt zu magischen Ausbrüchen wie kleinen Wirbelstürmen oder anderen Auffälligkeiten. Deshalb sollen Hexen getrennt voneinander leben und auf gar keinen Fall mehrere Junghexen zusammen aufwachsen.

Magie wird insgesamt als etwas sehr Intuitives dargestellt, das durch Trial und Error relativ gut gemeistert werden kann. Tränke und Zauber entstehen meistens durch Experimente, aber es kam ein wenig so rüber, als müssten Hexen alles mehr oder weniger alleine erlernen. Jede von ihnen führt ein Zauberbuch und neue Entdeckungen werden bei den vierteljährlichen Treffen geteilt. Jedoch nicht alles: Einige Zauber werden eifersüchtig geheimgehalten.

Im Grunde heißt es “jede für sich allein” und das ist schon sehr traurig. Viele Hexen, wie auch Mika, haben Angst, anderen von ihren Fähigkeiten zu erzählen. Andere Hexen wären aber die einzige Möglichkeit für einen offenen Austausch, aber selbst das ist verboten. Keine Freundschaften unter Hexen. Vor Partner:innen muss alles versteckt werden. Kein Kontakt außerhalb der Treffen. Bloß nicht auffallen.

 

Überraschend emotional

Ich hatte nicht damit gerechnet, wie sehr mich dieser Roman stellenweise mitnehmen würde.

Mir hat Mika so Leid getan, weil sie zwar eine fröhliche Fassade aufrecht erhält, aber immer wieder durchscheint, wie unzufrieden sie mit ihrem Leben ist. Ich bin auch jemand, der eigentlich gerne alleine ist und das auch gut aushalten kann, aber allein sein bedeutet ja nicht, einsam zu sein. Das bin ich mittlerweile nicht mehr, aber ich war es lange Zeit. Insofern kann ich mich da gut in Mika hineinversetzen und verstehe, wie viel so eine Found Family einem bedeuten kann. Und Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen ist auf jeden Fall auch eine Geschichte, in der Found Family eine große Rolle spielt. Keiner der Charaktere ist verwandt, aber sie sind eine Familie. Es war schön, mitzuerleben, wie Mika sich immer mehr öffnet.

Aber besonders die Geschichte von Jamie hat mich berührt. Er hat früh seinen Vater verloren und war der jüngste von drei Brudern. Der Verlust seines Vaters hat seine Mutter emotional gebrochen und sie war danach nicht so für die Kinder da, wie sie es gebraucht hätten. Von seinen Brüdern gequält, haute Jamie früh von zuhause ab und kam zufällig bei Lillian unter, die ihm ein Dach über dem Kopf und einen Job anbot. Jamie macht in dem Roman einen großen Schritt, um seine Kindheit aufzuarbeiten. Den Teil las ich abends im Bett und mir sind ein bisschen die Tränen gekommen und der Gedanke, dass das ein sehr erwachsener und sicher auch sehr gesunder Schritt von ihm war.

 

Smut – but why?

Mein einziger Kritikpunkt, den ich leider schon wieder anbringen muss, ist der Smut. Es ist zwar viel weniger als z.B. bei Potions & Prejudice, aber er ist immer noch da. Und das müsste einfach nicht sein. Ganz ehrlich, da hätte es auch eine Fade to Black-Szene getan, wenn denn wirklich klargemacht werden muss, dass sich zwischen den beiden Charakteren mehr anbahnt. Oder man lässt es einfach ganz weg, weil Beziehungen sich auch entwickeln können, ohne dass zwei Personen miteinander im Bett landen. Die Beschreibung ist nicht superexplizit, aber wenn das Buch verfilmt würde und man den Film dann mit seinen Eltern schaut, wäre das genau die Szene, in der alle plötzlich aufs Handy schauen oder Fussel von der Decke zupfen, nur um nicht zu interessiert zu wirken.

Zwischen Mika und Jamie ist die Spannung spürbar und es funkt eindeutig. Und Mika denkt auch öfter auf ganz bestimmte Art und Weise über Jamie nach, und umgekehrt. Aber dabei hätte es bleiben können, finde ich. Irgendwie wirkt diese Szene komplett deplatziert, als wäre sie nur reingeschrieben, weil Bücher heute so etwas brauchen. Was nicht stimmt! Wer keine Lust auf Smut hat, kann deshalb einfach den Rest des Kapitels überspringen, wenn Mika und Jamie die Treppe hochstolpern. Man verpasst wirklich nichts.

 

Fazit

Insgesamt ist Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen ein warmherziges Buch mit viel Herbst-Charme. Ideal für alle, die gerne in eine magische Welt eintauchen möchten – auch wenn nicht alles perfekt ausbalanciert ist.

Ich mochte die Tatsache, dass Mika und Jamie beide schon über 30 und damit in meinem Alter sind. Langsam kann ich keine Young Adult Romane mehr sehen, bitte gebt mir mehr Bücher mit Protagonistinnen, die mit mir in der Schule hätten sein können. Von daher war es wieder eine gelungene Abwechslung zu dem, was ich sonst lese.

Das Ende des Romans hat mich ziemlich überrascht, weil ich damit nun wirklich nicht gerechnet hatte, auch wenn es im Nachhinein betrachtet genügend Anzeichen gab. Wie bei anderen Cozy Fantasy Romanen auch wurde die Handlung dann recht schnell abgeschlossen. Dafür, dass Edward die ganze Zeit wie eine große Gewitterwolke am Horizont schwebte, nimmt die Konfrontation dann doch sehr wenig Raum ein. Bei einigen Punkten bin ich mir nicht sicher, ob ich damit so zufrieden bin, weil die Lösung mir dann doch zu einfach war, wie etwa mit der ganzen “Terracotta hasst Mika”-Geschichte.

Aber alles in allem hatte ich Spaß. Wenn ich den Roman nochmal lesen sollte, dann aber auf Englisch. Die Übersetzung konnte mich nicht überzeugen. Die Kinder klingen nicht, als würden sie gerade mal an der 10 kratzten, vor allem Terracotta. Und manches wird im Englischen zwar so gesagt, aber nicht im Deutschen. Oder habt ihr schon mal jemanden “Hölle, ja!” sagen hören? Ich jedenfalls nicht und ich möchte das  bitte nie wieder in einem Buch lesen.

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