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Graveyard Shift: Schlafprobleme und Geheimnisse

von filunara | Okt. 17, 2025 | Mystery Thriller, Rezension

Bewertung ⭐⭐⭐⭐

  • Handlung70%70%
  • Charaktere30%30%
  • Schreibstil70%70%
  • Goblin-Modus100%100%
  • Vibes90%90%
  • Gesamtwertung80%80%

Smut-Skala

  • Häufigkeit0%0%
  • Explizität*0%0%

*Anmerkung dazu: Es gibt Referenzen zu vergangenen Beziehungen und miteinander verbrachten Nächten zwischen Charakteren. Keine Details, reiner Fakt.

Für mehr Informationen zur Bedeutung dieser Werte habe ich einen Beitrag über mein Bewertungsschema geschrieben.

Autorin: M. L. Rio
Verlag: Wildfire
Seitenzahl:
113
Genre:
Mystery Thriller
Sprache: Englisch

Body Horror (leicht), Angst/Ekel auslösende Tiere (Ratten), Tierleid

Ja! Mehrere tote Ratten werden erwähnt, ein Charakter ist direkt für den Tod einer Ratte verantwortlich.

Group of Misfits, Haunted/Abandoned Location, Urban Legend/Campus Mystery, Slice of Life, Animal Horror, Open End

Any place you think you know is different after dark.

Fünf Schlaflose treffen sich regelmäßig nachts auf einem alten Friedhof hinter dem Campusgelände, um zu quatschen und gemeinsam ein paar Zigaretten zu rauchen. Edie ist die Chefredakteurin der Uni-Zeitung, Tamar arbeitet nachts in der Bibliothek. Tuck ist Student und Theo gehört eine Bar. Hannah verdient ihr Geld damit, Leute nachts durch die Gegend zu kutschieren. Sie sind vielleicht keine Freunde, aber kennen sich gut genug, um einen Gruppenchat zu haben und sich dort auch zu anderen Tageszeiten auszutauschen.

Eines Nachts kommen sie auf dem Friedhof an und entdecken ein frisch ausgehobenes Grab. Nur: Der Friedhof ist seit Jahrzehnten stillgelegt und die Kirche eine einsturzgefährdete Ruine. Niemand wird dort heutzutage noch begraben, warum also jetzt auf einmal ein neues Grab? Edie wittert eine Story. Weil die Serie mysteriöser Gewaltvorfälle auf dem Campus abgeebbt ist und sich keine Verbindung zwischen den Personen finden ließ, braucht sie einen neuen Aufhänger für die nächste Ausgabe der Studierendenzeitung. Also beschließt sie, ein wenig länger zu bleiben und auf die Person zu warten, die das Grab ausgehoben hat. Von hier an entwickelt sich alles innerhalb einer einzigen Nacht – nur nicht so, wie es irgendeiner von ihnen erwartet hätte.

By the time she was thirty, she had given up trying, tired of being tired, tired of telling people she was tired, tired of being bombarded with imbecilic advice about how to be less tired.

Ich möchte nicht zu viel verraten, aber die Geschichte hat mich wirklich gefesselt. Jedes Kapitel wird aus der Sicht einer anderen Figur erzählt, sodass wir die Geschichte aus ganz unterschiedlichen und einzigartigen Blickwinkeln erleben. Dabei entwickelt sich die Geschichte in jedem Kapitel weiter, anstatt bisher Geschehenes noch einmal aus anderer Sicht zu erzählen.

Wer offene Enden nicht mag, wir aber möglicherweise enttäuscht sein: Das Geheimnis um das Grab wird zwar gelöst, aber es ist am Ende sehr deutlich, dass die Ereignisse dieser Nacht unterschiedlich starke Konsequenzen für die Charaktere haben werden. Konsequenzen, die wir allerdings nicht zu sehen bekommen und uns nur vorstellen können, ohne Gewissheit zu erhalten.

Einige bemängeln genau das: Die Geschichte sei zu kurz. Ich verstehe das Argument, denn die Idee könnte ganz einfach zu einem vollwertigen Roman ausgebaut werden. Aber ehrlich gesagt, finde ich das Format der Novelle hier genau richtig.

Novellen liegen definitionsgemäß zwischen Kurzgeschichten und Romanen. Lang genug, um Atmosphäre und Spannung aufzubauen, aber kurz genug, um sich immer auf das Wesentliche zu konzentrieren. In der Regel wird genau ein Ereignis oder ein Wendepunkt im Leben eines Charakters beschrieben, statt der kompletten oder ein großer Teil des Lebensweges. Und genau deshalb funktioniert das hier so gut: In „Graveyard Shift“ geht es um ein einzelnes Ereignis, das das Leben dieser fünf Personen über einen Zeitraum von nur 10 Stunden komplett verändert. Rio versucht nicht, alles zu erzählen – aber sie erzählt genug. Die Kürze verstärkt die Spannung und bringt perfekt rüber, dass es hier um nur eine Nacht geht. Das Tempo bleibt konstant und die Figuren wirken trotz fehlender Backstories lebendig, weil wir nur einen einzigen, sehr intensiven Moment ihres Lebens erleben.

Sprachlich ist dieses Werk einfach großartig. Ich liebe den Stil von M. L. Rio, aber ganz besonders gut hat mir hier das Nachwort gefallen. Dort berichtet sie ein einer fast schon lyrischen Prosa über ihre Erfahrungen im akademischen Umfeld: Über den Druck, die Schlaflosigkeit, ihre Angewohnheit, immer nachts zu arbeiten. All das hat Graveyard Shift überhaupt erst inspiriert.

Hannah liked old buildings. Lots to listen to at night, a never-ending game of „What’s that sound?“ which gave her something to do in the rare dark hours she didn’t spend driving around looking for lost souls with a penny for the ferryman.

Für mich war die Geschichte aber noch einmal extra unangenehm, weil ich eine starke Abneigung gegen und Angst vor Ratten, Mäusen und ähnlichem Getier habe. Es gibt keinen Grund dafür, das ist schon seit meiner Kindheit so. Und ich habe auch mehrfach versucht, darüber hinweg zu kommen, aber mein Körper hat hier einfach ein Eigenleben und reagiert, selbst wenn mein Hirn in dem Moment etwas ganz anderes sagt. Ratten spielen hier nun mal eine große Rolle, was mir das Cover eigentlich auch hätte verraten können. Aber ich weigere mich einfach, mich von so etwas davon abhalten zu lassen, ein Buch zu lesen. Ich rede mir ein, dass das Lesen dadurch nur eine weitere Ebene dazugewinnt.

Trotzdem habe ich die Story geliebt. Sie war der perfekte Begleiter für einen ruhigen, etwas unheimlichen Oktoberabend. Was es extra perfekt macht: Die Geschichte spielt sogar im Oktober.

Misery loves company. Maybe this is why academia and insomnia, the two narrative engines of Graveyard Shift, are so miserably inextricable.

[…]

I am different creature after dark, doing strange witchcraft with words.

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