Bewertung ⭐ ⭐ ⭐
- Handlung50%
- Charaktere35%
- Schreibstil30%
- Goblin-Modus50%
- Vibes50%
- Gesamtwertung60%
Smut-Skala 🌶️🌶️
- Häufigkeit30%
- Explizität60%
Für mehr Informationen zur Bedeutung dieser Werte habe ich einen Beitrag über mein Bewertungsschema geschrieben.
Autorin: Tee Harlowe
Buchreihe: Moonflower Witches
Teil: 1
Seitenzahl: 254
Genre: Cozy Fantasy, Romantasy
Sprache: Englisch
Verfügbar bei KU (Stand Oktober 2025)
Tod von Elternteilen (off-page, nur erwähnt), Druck durch Erwartungen der Mutter, Parentification der Tochter (sorgt alleine für Familie und nimmt alle Verantwortung auf sich, während Mutter und Geschwister zu sorglos sind)
Nein, allen Drachen geht es gut.
Enemies to Lovers, He Falls First, Grumpy Hero, Family Curse, Cottagecore, Black Cat FMC, Misunderstandings, Fantasy Retelling, Slow Burn Romance
„Potions & Prejudice“ ist der erste Band einer Reihe, in der die Geschichten von vier Hexen-Schwestern erzählt wird, die leider durch einen Fluch ihre Magie verloren haben. Das war nicht mal böse Absicht, ihre Oma hat ihnen auf dem Sterbebett einfach nur gesagt, dass sie die Kinder mit „happy marriage and good magic“ segnen möchte und jetzt sind die zwei Dinge leider miteinander verknüpft. Das heißt, wenn die Schwestern ihre Magie zurückhaben möchten, müssen sie zunächst heiraten. Dafür müssen sie natürlich dann erst einmal Partner:innen finden, was aber für die Schwestern gar nicht so leicht ist.
Zum einen weigern sich alle, einfach so zu heiraten, nur um den Fluch zu brechen. Wenn schon Ehe, dann bitte aus Liebe. Zum anderen haben sie aber auch keine Zeit, irgendwen kennenzulernen, denn Familie Moonflower führt ein Nomaden-Dasein und verkauft Tränke (von der noch der Magie fähigen Mutter hergestellt) aus einem selbstfahrenden Wagen. Sie müssen jederzeit aufbruchbereit sein, denn in den Witchlands darf man eigentlich nicht leben, wenn man keine Magie hat. Die Spitzel der Oberhexe Witch Superior sind überall und die Geschwister müssen sehr vorsichtig sein.
Elspeth, die Zweitälteste, hat ihre Lektion jedenfalls gelernt. Vor Jahren hat sie einem Mann ihr Geheimnis verraten, in der Hoffnung auf Verständnis und vielleicht einen Heiratsantrag. Aber boys will be boys und der Typ hat sie prompt bei einem Magistraten verpetzt. Seitdem hat Elspeth jedenfalls verständlicherweise ein bisschen trust issues, was das alles angeht. Weil die Mutter nicht so gut darin ist, sich um die Familie zu kümmern, übernimmt Elspeth das und ist dabei vielleicht ein wenig zu übervorsichtig und misstrauisch. Aber wer außer ihr kann ihre Schwestern Adelaide, Auggie und Prue schon beschützen?
„If any real men were as good as the ones in my book, maybe I’d be more interested,“ Prue yelled.
Eines Tages hat die Familie eine Wagenpanne und ist gezwungen, in einer kleinen Stadt namens Thistlegrove eine Pause einzulegen. Werwolf Elm Kingsley hilft ihnen, den Wagen dorthin zu schleppen. Prognose: Totalschaden. Die Reparatur wird ein wenig dauern und sehr viel Geld kosten. Elspeth steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch, und dann ist da auch noch Draven. Draven Darkstone. Der Warlock, dem die Taverne im Ort gehört und mit dem Elspeth bei ihrer ersten Begegnung so richtig aneinander gerät. Er findet sie unscheinbar, aber nervig. Sie denkt, er ist arrogant und ein Arschloch. Can you smell the romance already?
Die Moonflowers müssen nun also mehrere Wochen in Thistlegrove bleiben, ohne Verdacht zu erwecken und dabei noch irgendwie ein bisschen Geld verdienen. Zwischen Adelaide und Elm bahnt sich etwas an, aber Draven und Elspeth können sich weiterhin nicht ausstehen. Auggie verschwindet immer wieder und keiner weiß, wo sie sich herumtreibt; Prue vergräbt die Nase in Büchern und wenigstens um sie muss sich Elspeth keine Sorgen machen. Da Elm und Draven beste Freunde sind, sehen sich er und Elspeth zwangsläufig immer öfter, aber um Adelaides Willen gibt Elspeth sich dann doch mehr Mühe. Außerdem verbreiten sich in solchen kleinen Städten immer schnell Gerüchte, und der Zwist der beiden hat schon genug neugierige Blicke auf sich gezogen.
Mit der Zeit fühlt sich die Familie in dem kleinen Örtchen immer wohler, aber ist das nur die Ruhe vor dem Sturm?
Retelling eines Klassikers
„Potions & Prejudice“ – das klingt auf jeden Fall so, als wäre es an Jane Austens „Pride & Prejudice“ angelehnt.
Es gibt einige thematische Parallelen: Wie auch bei Austen fällen die beiden Hautpcharaktere vorschnell Urteile übereinander, ohne sich richtig zu kennen und ihre Selbstwahrnehmung entspricht nicht dem Bild, das sie nach außern vermitteln. Beide sind eher veschlossen und nicht geneigt, Gefühle zu zeigen oder zuzugeben. Das führt dann beim jeweils anderen zu dem Eindruck, dass die eigenen Gefühle augenscheinlich nicht erwidert werden. Draven ist der grumpy hot guy, der sehr reserviert ist und seine eigenen Geheimnisse hat, während er aber gleichzeitig sehr loyal ist und seine Zuneigung auf ganz eigene Art zeigt. Elspeth ist eine lose Anlehnung an Elizabeth Bennet: Klug, mit Witz, aber auch stur und unabhängig. Allerdings ist sie älter: Über 30, was eine schöne Abwechslung im Bereich Romantasy ist. Auch gesellschaftliche Zwänge, Status und eine gewisse Erwartungshaltung spielen eine Rolle – die Moonflowers sind arm, Draven und Elm stammen aus reichen Familien. Elspeth möchte keine Almosen annehmen, und schlägt deshalb das Angebot von Elm aus, dass er im Inn eine Übernachtungsmöglichkeit für die Familie bezahlt. Schließlich ist da noch die Sache mit der Magie: Elspeth hat keine und Draven ist magisch extrem begabt. Das alles führt zu einem Ungleichgewicht und bei Elspeth zu dem Gefühl, dass das sowieso alles nicht gutgehen kann. Statt sich auf Draven einzulassen, bleibt sie fluchtbereit. Und als es schwierig wird, siegt ihr Misstrauen. Es gibt sogar einen Charakter mit eher dubiosen Motiven, der Elspeth Dinge über Draven erzählt, die ihre Vorurteile ihm gegenüber nur verstärken und Zweifel an ihm in ihr sähen.
Während ich den Roman gelesen habe, hätte ich abgestritten, dass es sich um ein Retelling handelt. Warum? Weil ich es zu anders ist. Es überschneiden sich zwar einige Plotpoints, es gibt aber viele Freiheiten und Änderungen, sodass es nicht eine sture Neuerzählung mit anderen Namen ist. Das hat mich erst gestört, aber eigentlich ist das ja viel besser, als das Original nur ein kleines bisschen umzuschreiben und Hexen und Tränke in Austens Welt zu bringen. Das Setting erinnert trotzdem an das Original und es ist ebenfalls kein großes Abenteuer, sondern ein Drama, ohne dabei zu dramatisch zu werden. Wir haben es mit cozy magical regenzy zu tun. Bridgerton trifft Legends & Lattes mit einem Hauch Austen.
Störfaktor Smut
Ich liebe „Stolz und Vorurteil“. Den Roman von Austen habe ich letztes Jahr zum ersten Mal gelesen und ich war wirklich überrascht, wie sehr er mir gefiel. Auch der Film mit Keira Knightley ist großartig. Was ich besonders mochte, war das yearning und die subtilen Gesten. Ich meine: Wessen Herz klopft nicht schneller, wenn Darcy Elizabeth in die Kutsche hilft und er dabei ihre Hand berührt? Und wie er danach dann seine Finger spreizt … Bevor ich den Film selbst gesehen hatte, habe ich nie verstanden, was alle an dieser Szene finden, aber oh wow.
So etwas habe ich mir auch von „Potions & Prejudice“ gewünscht. Slow Burn ohne Feuer, ein langsames Annähern, vielleicht höchstens ein gestohlener Kuss im Regen und dann denken beide in den nächsten Kapiteln immer wieder daran. Er kann das Gefühl ihrer Lippen auf seinen nicht vergessen, sie denkt immer wieder an den Geruch seiner Haut. Wenn er an ihr vorbeigeht und ihr sein Duft in die Nase steigt, schließt sie die Augen. Er lässt seinen Blick an ihrem Hals nach unten gleiten und muss sich beherschen, bevor seine Augen noch tiefer wandern und unziemliche Gedanken aufkommen.
Aber nein. Dieses Buch macht das nicht, stattdessen gibt es richtigen Smut. Es sind insgesamt nur drei Szenen im ganzen Buch verteilt, aber sie sind da und es nervt mich. Das ist dann auch kein Fade to Black, keine closed door romance, sondern explizit beschrieben. Als ich das erste mal das Wort „cock“ gelesen habe, war meine Anmerkung dazu „moment, ich dachte das ist cozy???“. Mich stört Smut sonst nicht (Auge @ meine Goodreads-History), aber in diesem Fall ist das einfach deplatziert. Das hätte so eine süße Wohlfühlstory sein können, aber der Smut reißt mich da richtig raus. Und es gibt ja auch viele Leute, die sowas nicht so gerne lesen. Die Szenen tragen exakt nichts zur Geschichte bei und hätten problemlos weggelassen oder durch etwas anderes ersetzt werden können.
Edgar, der ängstliche Drache und das Cottage mit Persönlichkeit
Wovon ich lieber mehr als weniger gesehen hätte, sind Edgar und das Haus, in dem die Moonflowers leben.
Edgar ist etwa handgroß und hat Angst vor seinem eigenen Schatten. Er kann sprechen und Draven hat ihn als Gefährten für seine Schwester Georgie gekauft – und auch als kleinen Aufpasser, weil Georgie gerne die Dinge tut, die sie nicht soll. Aber Edgar hängt viel lieber mit Draven in der Taverne rum, während Georgie weiterhin heimlich ausbüchst, was Draven in den Wahnsinn treibt.
„A pox on your tavern. A pox on the dragon.“
Edgar gasped, tail curling into his side.
„I’m never stepping foot in here again.“ With that, Veldar spun on his heel and stormed out.
„Glad that’s done,“ I said, continuing to polish the mugs.
„He just put a pox on me.“ Edgar whimpered. „What is a pox, exactly?“
Edgar ist so niedlich und hat meiner Meinung nach viel zu wenig Zeit gewidmet bekommen. Das gilt auch für das Cottage: Es ist ein richtiger Nebencharakter. Es entscheidet selbst, wer es betreten darf oder wirft auch mal Leute wieder raus. Am Anfang ist es widerspenstig und will sich nicht putzen lassen, aber mit der Zeit gewinnen die Moonflowers doch seine Zuneigung. Dafür beschützt es die Familie so gut es geht vor Gefahren. Leider spielt es nur eine kleine Nebenrolle.
Low Stakes Fantasy
Vor einer Weile habe ich „Legends & Lattes“ von Travis Baldree gelesen, auch Cozy Fantasy. Statt Zimtschnecken und Kaffee gibt es in diesem Buch aber Suppe. Insgesamt erinnert mich „Potions & Prejudice“ sehr an das Buch: Das Setting ist ähnlich, Magie fließt einfach in den Alltag mit ein und wird als nichts Besonderes angesehen, Vampire und Werwölfe leben unter Hexen und Warlocks. Es gibt auch keine Big Bads und man weiß eigentlich die ganze Zeit, das alles schon gut ausgehen wird, während sich Freundschaften entwickeln und Charakere, die jahrelang unterwegs waren, sich endlich ein Zuhause aufbauen.
Allerdings ist das auch mein Kritikpunkt. Mir ist das ein bisschen zu langweilig. Es gibt kein Risiko und am Ende wird alles meiner Meinung nach viel zu schnell gelöst. Das große Problem, vor dem Elspeth die ganze Zeit stand, wird innerhalb von wenigen Seiten plötzlich irrelevant und hat keine nachhaltigen Konsequenzen für sie. Die Lösung ist mir zu „billig“, der kleine Twist gegen Ende nicht schockierend genug. Aber ich hatte auch bei „Legends & Lattes“ schon das Gefühl, dass alles zu schnell zu Ende ging, vor allem im Verhältnis zur Länge des Buchs. Vielleicht gehört das ja einfach zum Genre?
Was ich ebenfalls zu unausgereift fand, war die Tatsache, dass den Schwestern die Magie fehlt und das ja eigentlich ja so ein Riesenproblem ist. Aber ich kann mich nur an eine einzige Situation erinnern, in der das potentielles Risiko bestand, das zur Entdeckung des Geheimnisses durch Dritte führen könnte. Es gibt dafür einige Momente, in denen sich Draven eigentlich hätte wundern müssen, warum Elspeth keine Magie benutzt. Zum Beispiel, als sie pitschnass aus dem Regen kamen und sie sich lieber vors Feuer setzt, als ihre Kleidung und Haare mit Magie zu trocknen. Dass das geht, beweist ihre Mutter relativ am Anfang des Romans. Vielleicht war Draven aber auch einfach nur zu abgelenkt von Elspeth und ihren Streitereien, als sich darüber Gedanken zu machen. Aber ich finde, damit hätte man noch ein wenig spielen können. Mich würden die Ausreden und Vertuschungsversuche von Elspeth interessieren, wenn sie jemand darauf anspricht.
Fazit
Wer „Legends & Lattes“ mochte, könnte auch Gefallen an der Moonflower Witches-Reihe finden, sofern das Vorhandensein von spicy Szenen nicht stört. Leider hat mich der Smut sehr genervt, sonst wäre das Buch für mich auf einer Stufe mit L&L gelandet. Wer darüber hinweglesen kann, könnte aber in diesem Buch eine cozy Fantasy mit charmanten Figuren finden. Man muss „Stolz & Vorurteil“ auch nicht gelesen haben, um „Potions & Prejudice“ zu verstehen und zu mögen.
Band 2, „Sense & Scentability“, erscheint am 5. November 2025 und wird ebenfalls bei Kindle Unlimited verfügbar sein. In diesem Teil der Reihe geht es dann um Adelaide. Aber auch Elspeth und Draven werden sicherlich wieder vorkommen.
3rd Person | Hexen | MC 30-39 | Multiple POVs | Tee Harlowe


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