Buchclub-Lektüre: Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen

Buchclub-Lektüre: Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen

Bewertung ⭐⭐⭐

  • Handlung55%55%
  • Charaktere50%50%
  • Schreibstil30%30%
  • Goblin-Modus50%50%
  • Vibes60%60%
  • Gesamtwertung60%60%

Smut-Skala 🌶️

  • Häufigkeit30%30%
  • Explizität40%40%

Für mehr Informationen zur Bedeutung dieser Werte habe ich einen Beitrag über mein Bewertungsschema geschrieben.

Autorin: Sangu Mandanna
Verlag: Penhaligon
Buchreihe: –

Seitenzahl:
352
Genre:
Cozy Fantasy
Sprache: Deutsch

Schwieriges Verhältnis zu Eltern, Einsamkeit, früher Tod von Eltern, schwierige Kindheit, Szene mit sexuellem Inhalt

Nein! Kein Tier leidet oder kommt zu Schaden. .

Found Family, Cozy Romance, Dislike to Romance, Grumpy x Sunshine, Secret Magic Society, Reluctant Mentor/Young Students

Es herbstelt: Zeit für gemütliche, magische Geschichten, mit denen man sich bei schlechtem Wetter und kaltem Wind auf dem Sofa einkuschelt. Für mich gehört da eine Kanne Tee mit leckeren Snacks dazu, eine flauschige Decke (endlich ist es nicht mehr zu warm dafür!) und Zeit, um mich wirklich auf ein Buch einzulassen. Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen hat mein Bedürfnis nach cozy Unterhaltung absolut erfüllt.

Der Roman war einer der beiden Gewinner unserer Buchclubwahl zum Thema “Hexen, Hexen, Hexen” für September/Oktober. Und ich bin ehrlich: Wahrscheinlich hätte ich das Buch sonst nie gelesen. Mir wäre es schlichtweg nicht aufgefallen, denn die Cover der englischen und auch der deutschen Ausgabe sind … naja, kein Blickfang. Zumindest nicht für mich! Mir ist klar, dass ich deshalb wahrscheinlich ziemlich viele gute Bücher verpasse, weil sie mich optisch nicht angesprochen haben. Soviel zu “don’t judge a book by its cover”. Ich sehe und ich judge. Oder eher: Ich sehe und entscheide, ob ich interessiert bin oder nicht.

Dieses Buch hat mir mal wieder vor Augen geführt, dass auch hinter unscheinbaren (und lasst mich ehrlich sein: eher hässlichen) Covern wirklich gute Geschichten stecken können.

 

Magische Mary Poppins

Mika ist Anfang 30 und eine Hexe. Eine einsame Hexe. Denn in dieser Welt sind ausnahmslos alle Hexen Waisen und wachsen getrennt voneinander auf, lernen alleine, mit ihrer Magie umzugehen und verbringen auch ihr Leben als Erwachsene nicht in der Gesellschaft anderer Gleichbegabter. Die Magie droht sonst, unberechenbar zu werden. Je mehr Hexen sich an einem Ort versammeln, desto mehr Magie wird von ihnen angezogen und desto schwieriger wird es, sie in Zaum zu halten. Deshalb gibt es Regeln, die strikt befolgt werden: Primrose, die Hexe, die Mika aufgezogen hat, sorgt dafür. Alle drei Monate gibt es ein Treffen, immer an einem anderen Ort, um sich auszutauschen. Das war es, ansonsten gibt es keinen Kontakt. Das bewahrt alle Hexen davor, entdeckt zu werden. Auch wenn gerade die jüngeren Hexen keine Lust auf diese Regeln haben, Mika eingeschlossen, so halten sich doch alle daran. Niemand wagt es, Primrose zu widersprechen.

Dass Mika sich da einsam fühlt, ist verständlich. Um das Ganze noch schlimmer zu machen, zieht sie auch noch regelmäßig um und ghostet danach alle, die sie an ihrem vorigen Wohnort kennengelernt hat. Das ist einfacher und sicherer. Wer Mika nicht gut kennt, kann schließlich nicht aus Versehen mitbekommen, dass sie eine Hexe ist. Ihre einzige Begleitung sind ihr Hund Circe und ihre Kois, die in einem magischen Teich leben. Aber nicht nur die Regeln von Primrose sind dafür verantwortlich, dass Mika sich weigert, Wurzeln zu schlagen: Sie hat auch ihre eigenen Gründe.

Eines Tages bekommt sie eine Nachricht. Ein gewisser Ian bittet sie um Hilfe – “Hexe dringend gesucht”, schreibt er. Mika weiß nicht so recht, wie sie darauf reagieren soll. Kann es sein, dass er sie durchschaut hat? Oder hat ihn bloß Mikas Youtube-Kanal so begeistert? Mika ist nämlich voll auch den Witch-Hype aufgesprungen und postet regelmäßig magischen Content, so wie hunderte andere Möchtegern-Hexen auch. Nur, dass sie wirklich eine Hexe ist und riesigen Spaß daran hat, solche Videos online zu stellen. Eigentlich würde Mika die Email ignorieren, aber irgendetwas bringt sie dazu, doch bei Ian vorbeizufahren und sich zumindest einmal anzuhören, was er zu sagen hat.

Wie sich herausstellt, braucht Ian wirklich Unterstützung von einer echten Hexe, denn er kümmert sich zusammen mit seinem Ehemann Ken, der Haushälterin Lucie und Bibliothekar Jamie um drei Junghexen, deren Magie langsam außer Kontrolle gerät Bevor alles in Schutt und Glitzer liegt, brauchen sie dringend Unterricht. Lillian, die Hexe, die die drei adoptiert hat, ist Archäologin und fast das ganze Jahr über unterwegs. Mika ist geschockt: 1. Wie kann es sein, dass Lillian drei Hexen adoptiert und diese zusammen im selben Haus wohnen lässt? Wenn das Primrose wüsste. Und 2. Warum kümmert sich Lillian nicht selbst um die drei?

Vielleicht war Lillian einfach überfordert, denn die Mädchen können ziemlich anstrengend sein. Vor allem die Zweitälteste. Sie will Mika nicht im Haus haben und ist auch nicht zu schüchtern dafür, ihr das direkt und immer wieder ins Gesicht zu sagen.

Aber Mika bleibt, denn kurz nach Weihnachten steht Besuch im Nowhere-Hause an. Edgar, der Anwalt von Lillian, will einige Dokumente abholen und er darf auf gar keinen Fall irgendetwas mitbekommen. Keine Magie, kein schwebendes Kind, keine komisch gefärbte Blume. Bis dahin müssen die Mädchen lernen, ihre Magie zumindest ein bisschen zu kontrollieren, damit es zu keinen überraschenden Ausbrüchen mehr kommt.

Innerhalb weniger Wochen fühlt sich Mika so wohl an ihrem neuen Arbeitsplatz, dass sie fast versucht ist, zu bleiben. Und dann ist da noch Jamie, der grumpy Kerl, in dem ein softer Kern steckt. Er ist zwar anfangs misstrauisch und ablehnend, aber weicht Mika gegenüber zunehmend auf. Für ihn würde es sich doch lohnen, oder? Immerhin kennt er die Wahrheit über Mika und sie hat keinen Grund, ihn auf Abstand zu halten.

Doch natürlich ist nicht alles so idyllisch, wie es scheint.

 

Kinder, Chaos, Terracotta

Die drei jungen Hexen heißen Rosetta, Terracotta und Altamira und sind zwischen zehn und sieben Jahre alt. Mehr kann ich jetzt nach etwas einer Woche schon gar nicht mehr über die drei sagen. Beziehungsweise: Über Rosetta und Altamira. Die beiden Mädchen haben immer sehr motiviert am Zauberunterricht teilgenommen und waren ansonsten sehr unauffällig. Rosetta darf einmal einen Ausflug mit Mika machen, und liest gerne Comichefte. Das ist mir aber jetzt auch nur noch einmal eingefallen, weil ich angestrengt versucht habe, mich an mehr zu erinnern. Ihre Persönlichkeiten haben für mich jetzt nicht so sehr herausgestochen, als dass ich jetzt noch weitere Details über sie wüsste.

Leider hat Terracotta den anderen beiden komplett die Show gestohlen. Nicht etwa, weil sie so ein besonderes Mädchen ist, sondern weil sie nervt. Wie respektlos will man sein? Terracotta dachte sich: Ja. Es fängt schon damit an, dass sie Mika beim Kennenlernen mit ihrer Ermordung droht (wtf?) und dann auch im weiteren Verlauf immer Mordpläne ausheckt und Mika dann davon erzählt, damit sie auch sicher merkt, dass Terracotta sie nicht leiden kann. Meistens erscheint sie auch nicht mal zum Unterricht und verkriecht sich stattdessen bei Jamie oder in ihrem Zimmer. Und natürlich will sie allen beweisen, dass sie auch ohne Unterricht wunderbar klarkommt und natürlich geht das ordentlich in die Hose.

Ich verstehe einfach nicht, warum keiner der anderen Erwachsenen da früher eingegriffen hat. Warum lässt man so ein Verhalten überhaupt durchgehen? Mika wurde ja ins Haus geholt, um die Mädchen in Magie zu unterrichten, das ist das wichtigste Ziel an der ganzen Sache. Und dann darf sie einfach ohne Konsequenzen den Unterricht schwänzen? Dass Ian erzieherisch nicht durchgreift, kann ich nachvollziehen. Aber von Jamie habe ich mehr erwartet. Es wird zwar  schon klar, dass ihm bewusst ist, dass er dem Mädchen zu viel durchgehen lässt, aber die Erkenntnis hätte meiner Meinung nach viel früher kommen müssen. Zumal ja wirklich Zeitdruck herrschte wegen dem anstehenden Besuch von Anwalt Edward. Stattdessen darf Terracotta sich benehmen wie eine Mini-Antagonistin und keiner sagt was, bis es eskaliert.

Aber genug von Terracotta, es gab ja auch einige schöne Aspekte im Buch.

 

Improvisation und Gatekeeping

Das Magiesystem in der Welt von Miss Moon ist ganz süß. Die Magie wirkt wie ein eigenwilliges, lebendiges Wesen – verspielt, manchmal launisch, und sie liebt Aufmerksamkeit. Für Hexen ist sie als schimmernder Goldstaub sichtbar, der in der Luft liegt und sich um die Hexen herum ansammelt, wie von einem Magneten angezogen. Das führt aber auch dazu, dass viele Hexen auf einem Fleck zu einer starken Ansammlung von Magie führen, die dann nicht mehr versteckt werden kann. Es kommt vermehrt zu magischen Ausbrüchen wie kleinen Wirbelstürmen oder anderen Auffälligkeiten. Deshalb sollen Hexen getrennt voneinander leben und auf gar keinen Fall mehrere Junghexen zusammen aufwachsen.

Magie wird insgesamt als etwas sehr Intuitives dargestellt, das durch Trial und Error relativ gut gemeistert werden kann. Tränke und Zauber entstehen meistens durch Experimente, aber es kam ein wenig so rüber, als müssten Hexen alles mehr oder weniger alleine erlernen. Jede von ihnen führt ein Zauberbuch und neue Entdeckungen werden bei den vierteljährlichen Treffen geteilt. Jedoch nicht alles: Einige Zauber werden eifersüchtig geheimgehalten.

Im Grunde heißt es “jede für sich allein” und das ist schon sehr traurig. Viele Hexen, wie auch Mika, haben Angst, anderen von ihren Fähigkeiten zu erzählen. Andere Hexen wären aber die einzige Möglichkeit für einen offenen Austausch, aber selbst das ist verboten. Keine Freundschaften unter Hexen. Vor Partner:innen muss alles versteckt werden. Kein Kontakt außerhalb der Treffen. Bloß nicht auffallen.

 

Überraschend emotional

Ich hatte nicht damit gerechnet, wie sehr mich dieser Roman stellenweise mitnehmen würde.

Mir hat Mika so Leid getan, weil sie zwar eine fröhliche Fassade aufrecht erhält, aber immer wieder durchscheint, wie unzufrieden sie mit ihrem Leben ist. Ich bin auch jemand, der eigentlich gerne alleine ist und das auch gut aushalten kann, aber allein sein bedeutet ja nicht, einsam zu sein. Das bin ich mittlerweile nicht mehr, aber ich war es lange Zeit. Insofern kann ich mich da gut in Mika hineinversetzen und verstehe, wie viel so eine Found Family einem bedeuten kann. Und Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen ist auf jeden Fall auch eine Geschichte, in der Found Family eine große Rolle spielt. Keiner der Charaktere ist verwandt, aber sie sind eine Familie. Es war schön, mitzuerleben, wie Mika sich immer mehr öffnet.

Aber besonders die Geschichte von Jamie hat mich berührt. Er hat früh seinen Vater verloren und war der jüngste von drei Brudern. Der Verlust seines Vaters hat seine Mutter emotional gebrochen und sie war danach nicht so für die Kinder da, wie sie es gebraucht hätten. Von seinen Brüdern gequält, haute Jamie früh von zuhause ab und kam zufällig bei Lillian unter, die ihm ein Dach über dem Kopf und einen Job anbot. Jamie macht in dem Roman einen großen Schritt, um seine Kindheit aufzuarbeiten. Den Teil las ich abends im Bett und mir sind ein bisschen die Tränen gekommen und der Gedanke, dass das ein sehr erwachsener und sicher auch sehr gesunder Schritt von ihm war.

 

Smut – but why?

Mein einziger Kritikpunkt, den ich leider schon wieder anbringen muss, ist der Smut. Es ist zwar viel weniger als z.B. bei Potions & Prejudice, aber er ist immer noch da. Und das müsste einfach nicht sein. Ganz ehrlich, da hätte es auch eine Fade to Black-Szene getan, wenn denn wirklich klargemacht werden muss, dass sich zwischen den beiden Charakteren mehr anbahnt. Oder man lässt es einfach ganz weg, weil Beziehungen sich auch entwickeln können, ohne dass zwei Personen miteinander im Bett landen. Die Beschreibung ist nicht superexplizit, aber wenn das Buch verfilmt würde und man den Film dann mit seinen Eltern schaut, wäre das genau die Szene, in der alle plötzlich aufs Handy schauen oder Fussel von der Decke zupfen, nur um nicht zu interessiert zu wirken.

Zwischen Mika und Jamie ist die Spannung spürbar und es funkt eindeutig. Und Mika denkt auch öfter auf ganz bestimmte Art und Weise über Jamie nach, und umgekehrt. Aber dabei hätte es bleiben können, finde ich. Irgendwie wirkt diese Szene komplett deplatziert, als wäre sie nur reingeschrieben, weil Bücher heute so etwas brauchen. Was nicht stimmt! Wer keine Lust auf Smut hat, kann deshalb einfach den Rest des Kapitels überspringen, wenn Mika und Jamie die Treppe hochstolpern. Man verpasst wirklich nichts.

 

Fazit

Insgesamt ist Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen ein warmherziges Buch mit viel Herbst-Charme. Ideal für alle, die gerne in eine magische Welt eintauchen möchten – auch wenn nicht alles perfekt ausbalanciert ist.

Ich mochte die Tatsache, dass Mika und Jamie beide schon über 30 und damit in meinem Alter sind. Langsam kann ich keine Young Adult Romane mehr sehen, bitte gebt mir mehr Bücher mit Protagonistinnen, die mit mir in der Schule hätten sein können. Von daher war es wieder eine gelungene Abwechslung zu dem, was ich sonst lese.

Das Ende des Romans hat mich ziemlich überrascht, weil ich damit nun wirklich nicht gerechnet hatte, auch wenn es im Nachhinein betrachtet genügend Anzeichen gab. Wie bei anderen Cozy Fantasy Romanen auch wurde die Handlung dann recht schnell abgeschlossen. Dafür, dass Edward die ganze Zeit wie eine große Gewitterwolke am Horizont schwebte, nimmt die Konfrontation dann doch sehr wenig Raum ein. Bei einigen Punkten bin ich mir nicht sicher, ob ich damit so zufrieden bin, weil die Lösung mir dann doch zu einfach war, wie etwa mit der ganzen “Terracotta hasst Mika”-Geschichte.

Aber alles in allem hatte ich Spaß. Wenn ich den Roman nochmal lesen sollte, dann aber auf Englisch. Die Übersetzung konnte mich nicht überzeugen. Die Kinder klingen nicht, als würden sie gerade mal an der 10 kratzten, vor allem Terracotta. Und manches wird im Englischen zwar so gesagt, aber nicht im Deutschen. Oder habt ihr schon mal jemanden “Hölle, ja!” sagen hören? Ich jedenfalls nicht und ich möchte das  bitte nie wieder in einem Buch lesen.

Potions & Prejudice: Cozy Fantasy für Fans von Legends & Lattes

Potions & Prejudice: Cozy Fantasy für Fans von Legends & Lattes

Bewertung ⭐ ⭐ ⭐

  • Handlung50%50%
  • Charaktere35%35%
  • Schreibstil30%30%
  • Goblin-Modus50%50%
  • Vibes50%50%
  • Gesamtwertung60%60%

Smut-Skala 🌶️🌶️

  • Häufigkeit30%30%
  • Explizität60%60%

Für mehr Informationen zur Bedeutung dieser Werte habe ich einen Beitrag über mein Bewertungsschema geschrieben.

Autorin: Tee Harlowe
Buchreihe:
Moonflower Witches
Teil: 1
Seitenzahl: 254
Genre:
Cozy Fantasy, Romantasy
Sprache: Englisch

Verfügbar bei KU (Stand Oktober 2025)

Tod von Elternteilen (off-page, nur erwähnt), Druck durch Erwartungen der Mutter, Parentification der Tochter (sorgt alleine für Familie und nimmt alle Verantwortung auf sich, während Mutter und Geschwister zu sorglos sind)

Nein, allen Drachen geht es gut.

Enemies to Lovers, He Falls First, Grumpy Hero, Family Curse, Cottagecore, Black Cat FMC, Misunderstandings, Fantasy Retelling, Slow Burn Romance

„Potions & Prejudice“ ist der erste Band einer Reihe, in der die Geschichten von vier Hexen-Schwestern erzählt wird, die leider durch einen Fluch ihre Magie verloren haben. Das war nicht mal böse Absicht, ihre Oma hat ihnen auf dem Sterbebett einfach nur gesagt, dass sie die Kinder mit „happy marriage and good magic“ segnen möchte und jetzt sind die zwei Dinge leider miteinander verknüpft. Das heißt, wenn die Schwestern ihre Magie zurückhaben möchten, müssen sie zunächst heiraten. Dafür müssen sie natürlich dann erst einmal Partner:innen finden, was aber für die Schwestern gar nicht so leicht ist.

Zum einen weigern sich alle, einfach so zu heiraten, nur um den Fluch zu brechen. Wenn schon Ehe, dann bitte aus Liebe. Zum anderen haben sie aber auch keine Zeit, irgendwen kennenzulernen, denn Familie Moonflower führt ein Nomaden-Dasein und verkauft Tränke (von der noch der Magie fähigen Mutter hergestellt) aus einem selbstfahrenden Wagen. Sie müssen jederzeit aufbruchbereit sein, denn in den Witchlands darf man eigentlich nicht leben, wenn man keine Magie hat. Die Spitzel der Oberhexe Witch Superior sind überall und die Geschwister müssen sehr vorsichtig sein.

Elspeth, die Zweitälteste, hat ihre Lektion jedenfalls gelernt. Vor Jahren hat sie einem Mann ihr Geheimnis verraten, in der Hoffnung auf Verständnis und vielleicht einen Heiratsantrag. Aber boys will be boys und der Typ hat sie prompt bei einem Magistraten verpetzt. Seitdem hat Elspeth jedenfalls verständlicherweise ein bisschen trust issues, was das alles angeht. Weil die Mutter nicht so gut darin ist, sich um die Familie zu kümmern, übernimmt Elspeth das und ist dabei vielleicht ein wenig zu übervorsichtig und misstrauisch. Aber wer außer ihr kann ihre Schwestern Adelaide, Auggie und Prue schon beschützen?

 „If any real men were as good as the ones in my book, maybe I’d be more interested,“ Prue yelled.

Eines Tages hat die Familie eine Wagenpanne und ist gezwungen, in einer kleinen Stadt namens Thistlegrove eine Pause einzulegen. Werwolf Elm Kingsley hilft ihnen, den Wagen dorthin zu schleppen. Prognose: Totalschaden. Die Reparatur wird ein wenig dauern und sehr viel Geld kosten. Elspeth steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch, und dann ist da auch noch Draven. Draven Darkstone. Der Warlock, dem die Taverne im Ort gehört und mit dem Elspeth bei ihrer ersten Begegnung so richtig aneinander gerät. Er findet sie unscheinbar, aber nervig. Sie denkt, er ist arrogant und ein Arschloch. Can you smell the romance already?

Die Moonflowers müssen nun also mehrere Wochen in Thistlegrove bleiben, ohne Verdacht zu erwecken und dabei noch irgendwie ein bisschen Geld verdienen. Zwischen Adelaide und Elm bahnt sich etwas an, aber Draven und Elspeth können sich weiterhin nicht ausstehen. Auggie verschwindet immer wieder und keiner weiß, wo sie sich herumtreibt; Prue vergräbt die Nase in Büchern und wenigstens um sie muss sich Elspeth keine Sorgen machen. Da Elm und Draven beste Freunde sind, sehen sich er und Elspeth zwangsläufig immer öfter, aber um Adelaides Willen gibt Elspeth sich dann doch mehr Mühe. Außerdem verbreiten sich in solchen kleinen Städten immer schnell Gerüchte, und der Zwist der beiden hat schon genug neugierige Blicke auf sich gezogen.

Mit der Zeit fühlt sich die Familie in dem kleinen Örtchen immer wohler, aber ist das nur die Ruhe vor dem Sturm?

 

Retelling eines Klassikers

„Potions & Prejudice“ – das klingt auf jeden Fall so, als wäre es an Jane Austens „Pride & Prejudice“ angelehnt.

Es gibt einige thematische Parallelen: Wie auch bei Austen fällen die beiden Hautpcharaktere vorschnell Urteile übereinander, ohne sich richtig zu kennen und ihre Selbstwahrnehmung entspricht nicht dem Bild, das sie nach außern vermitteln. Beide sind eher veschlossen und nicht geneigt, Gefühle zu zeigen oder zuzugeben. Das führt dann beim jeweils anderen zu dem Eindruck, dass die eigenen Gefühle augenscheinlich nicht erwidert werden. Draven ist der grumpy hot guy, der sehr reserviert ist und seine eigenen Geheimnisse hat, während er aber gleichzeitig sehr loyal ist und seine Zuneigung auf ganz eigene Art zeigt. Elspeth ist eine lose Anlehnung an Elizabeth Bennet: Klug, mit Witz, aber auch stur und unabhängig. Allerdings ist sie älter: Über 30, was eine schöne Abwechslung im Bereich Romantasy ist. Auch gesellschaftliche Zwänge, Status und eine gewisse Erwartungshaltung spielen eine Rolle – die Moonflowers sind arm, Draven und Elm stammen aus reichen Familien. Elspeth möchte keine Almosen annehmen, und schlägt deshalb das Angebot von Elm aus, dass er im Inn eine Übernachtungsmöglichkeit für die Familie bezahlt. Schließlich ist da noch die Sache mit der Magie: Elspeth hat keine und Draven ist magisch extrem begabt. Das alles führt zu einem Ungleichgewicht und bei Elspeth zu dem Gefühl, dass das sowieso alles nicht gutgehen kann. Statt sich auf Draven einzulassen, bleibt sie fluchtbereit. Und als es schwierig wird, siegt ihr Misstrauen. Es gibt sogar einen Charakter mit eher dubiosen Motiven, der Elspeth Dinge über Draven erzählt, die ihre Vorurteile ihm gegenüber nur verstärken und Zweifel an ihm in ihr sähen.

Während ich den Roman gelesen habe, hätte ich abgestritten, dass es sich um ein Retelling handelt. Warum? Weil ich es zu anders ist. Es überschneiden sich zwar einige Plotpoints, es gibt aber viele Freiheiten und Änderungen, sodass es nicht eine sture Neuerzählung mit anderen Namen ist. Das hat mich erst gestört, aber eigentlich ist das ja viel besser, als das Original nur ein kleines bisschen umzuschreiben und Hexen und Tränke in Austens Welt zu bringen. Das Setting erinnert trotzdem an das Original und es ist ebenfalls kein großes Abenteuer, sondern ein Drama, ohne dabei zu dramatisch zu werden. Wir haben es mit cozy magical regenzy zu tun. Bridgerton trifft Legends & Lattes mit einem Hauch Austen.

Störfaktor Smut

Ich liebe „Stolz und Vorurteil“. Den Roman von Austen habe ich letztes Jahr zum ersten Mal gelesen und ich war wirklich überrascht, wie sehr er mir gefiel. Auch der Film mit Keira Knightley ist großartig. Was ich besonders mochte, war das yearning und die subtilen Gesten. Ich meine: Wessen Herz klopft nicht schneller, wenn Darcy Elizabeth in die Kutsche hilft und er dabei ihre Hand berührt? Und wie er danach dann seine Finger spreizt … Bevor ich den Film selbst gesehen hatte, habe ich nie verstanden, was alle an dieser Szene finden, aber oh wow.

So etwas habe ich mir auch von „Potions & Prejudice“ gewünscht. Slow Burn ohne Feuer, ein langsames Annähern, vielleicht höchstens ein gestohlener Kuss im Regen und dann denken beide in den nächsten Kapiteln immer wieder daran. Er kann das Gefühl ihrer Lippen auf seinen nicht vergessen, sie denkt immer wieder an den Geruch seiner Haut. Wenn er an ihr vorbeigeht und ihr sein Duft in die Nase steigt, schließt sie die Augen. Er lässt seinen Blick an ihrem Hals nach unten gleiten und muss sich beherschen, bevor seine Augen noch tiefer wandern und unziemliche Gedanken aufkommen.

Aber nein. Dieses Buch macht das nicht, stattdessen gibt es richtigen Smut. Es sind insgesamt nur drei Szenen im ganzen Buch verteilt, aber sie sind da und es nervt mich. Das ist dann auch kein Fade to Black, keine closed door romance, sondern explizit beschrieben. Als ich das erste mal das Wort „cock“ gelesen habe, war meine Anmerkung dazu „moment, ich dachte das ist cozy???“. Mich stört Smut sonst nicht (Auge @ meine Goodreads-History), aber in diesem Fall ist das einfach deplatziert. Das hätte so eine süße Wohlfühlstory sein können, aber der Smut reißt mich da richtig raus. Und es gibt ja auch viele Leute, die sowas nicht so gerne lesen. Die Szenen tragen exakt nichts zur Geschichte bei und hätten problemlos weggelassen oder durch etwas anderes ersetzt werden können.

 

Edgar, der ängstliche Drache und das Cottage mit Persönlichkeit

Wovon ich lieber mehr als weniger gesehen hätte, sind Edgar und das Haus, in dem die Moonflowers leben.

Edgar ist etwa handgroß und hat Angst vor seinem eigenen Schatten. Er kann sprechen und Draven hat ihn als Gefährten für seine Schwester Georgie gekauft – und auch als kleinen Aufpasser, weil Georgie gerne die Dinge tut, die sie nicht soll. Aber Edgar hängt viel lieber mit Draven in der Taverne rum, während Georgie weiterhin heimlich ausbüchst, was Draven in den Wahnsinn treibt.

„A pox on your tavern. A pox on the dragon.“

Edgar gasped, tail curling into his side.

„I’m never stepping foot in here again.“ With that, Veldar spun on his heel and stormed out.

„Glad that’s done,“ I said, continuing to polish the mugs.

„He just put a pox on me.“ Edgar whimpered. „What is a pox, exactly?“

Edgar ist so niedlich und hat meiner Meinung nach viel zu wenig Zeit gewidmet bekommen. Das gilt auch für das Cottage: Es ist ein richtiger Nebencharakter. Es entscheidet selbst, wer es betreten darf oder wirft auch mal Leute wieder raus. Am Anfang ist es widerspenstig und will sich nicht putzen lassen, aber mit der Zeit gewinnen die Moonflowers doch seine Zuneigung. Dafür beschützt es die Familie so gut es geht vor Gefahren. Leider spielt es nur eine kleine Nebenrolle.

 

Low Stakes Fantasy

Vor einer Weile habe ich „Legends & Lattes“ von Travis Baldree gelesen, auch Cozy Fantasy. Statt Zimtschnecken und Kaffee gibt es in diesem Buch aber Suppe. Insgesamt erinnert mich „Potions & Prejudice“ sehr an das Buch: Das Setting ist ähnlich, Magie fließt einfach in den Alltag mit ein und wird als nichts Besonderes angesehen, Vampire und Werwölfe leben unter Hexen und Warlocks. Es gibt auch keine Big Bads und man weiß eigentlich die ganze Zeit, das alles schon gut ausgehen wird, während sich Freundschaften entwickeln und Charakere, die jahrelang unterwegs waren, sich endlich ein Zuhause aufbauen.

Allerdings ist das auch mein Kritikpunkt. Mir ist das ein bisschen zu langweilig. Es gibt kein Risiko und am Ende wird alles meiner Meinung nach viel zu schnell gelöst. Das große Problem, vor dem Elspeth die ganze Zeit stand, wird innerhalb von wenigen Seiten plötzlich irrelevant und hat keine nachhaltigen Konsequenzen für sie. Die Lösung ist mir zu „billig“, der kleine Twist gegen Ende nicht schockierend genug. Aber ich hatte auch bei „Legends & Lattes“ schon das Gefühl, dass alles zu schnell zu Ende ging, vor allem im Verhältnis zur Länge des Buchs. Vielleicht gehört das ja einfach zum Genre?

Was ich ebenfalls zu unausgereift fand, war die Tatsache, dass den Schwestern die Magie fehlt und das ja eigentlich ja so ein Riesenproblem ist. Aber ich kann mich nur an eine einzige Situation erinnern, in der das potentielles Risiko bestand, das zur Entdeckung des Geheimnisses durch Dritte führen könnte. Es gibt dafür einige Momente, in denen sich Draven eigentlich hätte wundern müssen, warum Elspeth keine Magie benutzt. Zum Beispiel, als sie pitschnass aus dem Regen kamen und sie sich lieber vors Feuer setzt, als ihre Kleidung und Haare mit Magie zu trocknen. Dass das geht, beweist ihre Mutter relativ am Anfang des Romans. Vielleicht war Draven aber auch einfach nur zu abgelenkt von Elspeth und ihren Streitereien, als sich darüber Gedanken zu machen. Aber ich finde, damit hätte man noch ein wenig spielen können. Mich würden die Ausreden und Vertuschungsversuche von Elspeth interessieren, wenn sie jemand darauf anspricht.

 

Fazit

Wer „Legends & Lattes“ mochte, könnte auch Gefallen an der Moonflower Witches-Reihe finden, sofern das Vorhandensein von spicy Szenen nicht stört. Leider hat mich der Smut sehr genervt, sonst wäre das Buch für mich auf einer Stufe mit L&L gelandet. Wer darüber hinweglesen kann, könnte aber in diesem Buch eine cozy Fantasy mit charmanten Figuren finden. Man muss „Stolz & Vorurteil“ auch nicht gelesen haben, um „Potions & Prejudice“ zu verstehen und zu mögen.

Band 2, „Sense & Scentability“, erscheint am 5. November 2025 und wird ebenfalls bei Kindle Unlimited verfügbar sein. In diesem Teil der Reihe geht es  dann um Adelaide. Aber auch Elspeth und Draven werden sicherlich wieder vorkommen.